Die Entwicklung und Förderung eines gesunden Sozialverhaltens bei unseren Zuchtdoggen

Erster Kontakt mit fremden Hunden

Mit dem nachfolgenden Programm geht es in erster Linie um eine emotionale Verarbeitung von Stressfaktoren eines Begleithundes in der Großstadt. Durch Förderung des Sozialverhaltens im Welpenalter wird ein Fehlverhalten der erwachsenen Dogge verhindert. Ist die Dogge z.B. mit sozialen Verhaltensweisen wie den Naso-Nasal-Kontakt, der Ano-Genital-Kontrolle und dem Imponierverhalten fremder Hunde vertraut, dann wird sie später auch nicht aus Angst überreagieren. Leinenzwang ist aus der Sicht der Entwicklung eines Sozialverhaltens völlig kontraproduktiv.
Wir erwarten mehr von unseren Doggen als die Gewöhnung an Familie, Grundstück, Doggenplatz und Ausstellungsring.

Was haben wir in den letzten 4 Doggengenerationen erreicht und was erwarten wir für die Zukunft?

- Unsere Zuchthündinnen zeigen sich sehr aufgeschlossen Fremden gegenüber. Ein Anknurren oder Anbellen von Besuchern gehört nicht zum Wesen unserer Zuchtdoggen. In der Öffentlichkeit lassen sie sich von Fremden anfassen u. streicheln. Angst vor großen Menschenmassen ist ausgeschlossen. Plötzliches Anrempeln in einer voll besetzeten U- oder S-Bahn wird gelassen hingenommen.
- Alle Zuchtdoggen fahren sehr gern Auto. Die Länge der Fahrstrecke ist dabei unerheblich. Wir waren mit dem PKW und unseren Doggen bereits in Wien, Venedig, Rom, Rotterdam und Warschau.
- Anderen Hunden gegenüber zeigen sie sich aufgeschlossen. Rasse, Größe und Geschlecht sind dabei ohne Bedeutung. Sie fordern fremde Hunde zum Spiel auf und zeigen einen enormen Ehrgeiz in Wettbewerbssituationen.
- Unsere Doggenhündinnen lassen sich mit und ohne Leine gut und zuverlässig führen.
- Bei Kontakt mit Schwarzwild zeigten sich unsere Zuchtdoggen bisher souverän und nervenstark. Die Doggen waren auf Kommando abrufbar.
- Wie die meisten Doggen sind sie sehr anhänglich und familiär.


Die von mir aufgezählten Eigenschaften gehören zwar zu den Anlagen unserer Doggenzucht müssen aber entwickelt werden.
Das nachfolgende Übungsprogramm ist eine Zusammenfassung von Erfahrungen aus 6 Generationen erfolgreicher Doggenaufzucht.

Kira vom Gehrensee


Übungsprogramm

Dieses Übungsprogramm dient der Entwicklung einer alltagstauglichen Deutschen Dogge. Es handelt sich nicht um Hundesport !

  4. -  7. Lebenswoche     Gewöhnung an das Autofahren (ohne Ein- u. Aussteigen)
  ab   8. Lebenswoche     Gewöhnung an das lockere Laufen mit Leine u. Halsband in der Öffentlichkeit (1. Impfung mit 6,5 Wochen)
  ab   9. Lebenswoche     Einführung des Kommandos: "Stopp" (Abbruch eines Bewegungsabblaufes zur Einleitung eines Abrufs)
  ab   9. Lebenswoche     Gewöhnung an Wasser: Duschen als Wassergewöhnung u. Körperflege.
  ab   9. Lebenswoche     Erziehung des Doggenwelpen zum korrekten Verhalten in Wohnräumen. Klärung der Rudelordnung. (Herrchen = Rudelführer)
  ab   9. Lebenswoche     Einführung des Kommandos: "Aus" (Abbruch einer unerwünschten Handlung)
  ab   9. Lebenswoche     Gewöhnung an sämtliche öffentlichen Verkehrsmittel von Berlin. (2. Impfung mit 10 Wochen)
  ab   9. Lebenswoche     Gewöhnung an Orte mit großen Menschenansammlungen, Bahnhöfe, Einkaufszentren, Märkte, Demonstrationen
  ab 10. Lebenswoche     Einführung des Kommandos: "Komm" / Abruftraining ohne Leine in Feld und Flur.
  ab 11. Lebenswoche     Gewöhnung an Wasser in Seen o. Bächen je nach Witterung u. Jahreszeit / Gewöhnung an ein Ruderboot
  ab 11. Lebenswoche     Gewöhnung an alle Hunderassen aller Altersgruppen einschl. sogen. Listenhunde ohne Leine (zweite 4-fach-Impfung mit 10 Wochen)
  ab 13. Lebenswoche     Abruftraining ohne Leine im Hundeauslaufgebiet.
  ab 13. Lebenswoche     Einführung des Kommandos: "Sitz"
  ab 17. Lebenswoche     Einführung der Kommandos: "Fuß", "Platz" u. "Bleib".
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  ab   5. Lebensmonat     Intensivierung des Laufens "bei Fuß". Die Dogge ist durch die Sozialisierung selbstbewusster geworden.
Sie hält sich deshalb nicht mehr so dicht an Herrchen. Das Laufen "mit durchhängender Leine" ist jetzt das Übungsziel.
  ab   5. Lebensmonat     Ausstellungstraining
  ab   5. Lebensmonat     Der Aufenthalt ohne Leine im Hundeauslaufgebiet ist unseren Doggen bis ins hohe Alter zum Bedürfnis geworden.
        Unsere Deutschen Doggen sind bereits in diesem Alter voll urlaubstauglich, wenn das Laufen reduziert wird.
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  ab   8. Lebensmonat     Beginn der Ausb. in einer Hundeschule im Sinne der einer Erst- u. Begleithundeprüfung. / Erstprüfung in der Regel mit 12 Monaten.
      Ein rel. später Übungsbeginn auf einen Hundeplatz ist günstig, da das Sozialverhalten zw. Hunden versch. Rassen in der Regel
      nicht Ausbildungsthema ist. Hauptthema ist die Unterordnung des Hundes unter die Kommandos seines Hundeführers.
      Sollte die Schärfe der Dogge durch schlecht sozialisierte Hunde forciert werden, ist es besser die Ausbildung abzubrechen.
      Doggenplätze: Auf spezialisierten Hundeplätzen für Deutsche Doggen ist nach meinen Erfahrungen das Hauptthema die
      Ausstellungstätigkeit und das damit verbundene Ringtraining. Kontakte mit andereren Hunderassen sind die Ausnahme.
      Eine Begleithundeprüfung oder Fährtenhundausbildung sind möglich, aber nicht die Regel.
      Der wichtigste Aspekt des Übens in einer Hundeschule ist die Tatsache, dass nicht wenige Herrchen lernen müssen
als Rudelführer aufzutreten. Eine Folge von mangelnden Rudelführerfähigkeiten sind Autoritätsprobleme.
Beispiele: Ziehen an der Leine oder die Dogge hört nur wenn sie gute Laune hat.

Auch Doggen mit besten Anlagen müssen kontrolliert werden.
Das erwarten unsere Mitmenschen von jedem Halter eines großen Hundes.
  ab 12. Lebensmonat     Körperliches Training: z.B. am Fahrrad oder neben einem Sportpferd.
       

Dieses Übungsprogramm für unsere Doggenwelpen ist eine hervorragende Vorbereitung auf die sehr praxisbezogenen Prüfungsschwerpunkte des Hundeführerscheines von anerkannten Ausbildern des BVZ oder des BVH.
Das erste Mal wird in einer Prüfung ein funktionierendes Sozialverhalten unter Hunden verschiedener Rassen ohne Leine abverlangt.
Das obige Programm basiert auf folgende Entwicklungsphasen des Hundes:
Prägungsphase (4.-8.Woche), Sozialisierungsphase (8.-12.Woche), Rangordnungsphase 3.-5.Monat.
Des Weiteren wurden von mir als Doggenzüchter doggenspezifische und gesundheitsprophylaktische Aspekte berücksichtigt.
Das heißt, keine Überbeanspruchung beim Laufen durch Inanspruchnahme verschiedener Verkehrsmittel.
Die sehr wichtige Unterordnung bei Deutschen Doggen wird bei allen Sozialisierungsübungen ständig mit eingebaut. Das beginnt mit dem Laufen an der Leine und wird durch Abrufübungen ohne Leine gesteigert.
Die Unterordnung dominiert bei der Erziehung zum korrekten Verhalten in Wohnräumen.
Aus diesem Grund wurde auch die Formulierung "Erziehung" und nicht "Gewöhnung an ..." verwendet. Im Gegensatz zum Hundeplatz ist die Deutsche Dogge in der Öffentlichkeit allen Unterordnungszwängen gegenüber wesentlich motivierter.
Dieses Programm ist völlig frei von "Vereinszwängen". Unter Vereinszwänge sind neben einer strengen Hierarchie in Kompetenzfragen vor allem finanzielle Vereinsinteressen wie zum Beispiel Kursgebühren o. Mitgliedsbeiträge gemeint.
Dieses Programm wird von mir als Doggenzüchter seit mehreren Doggengenerationen erfolgreich angewendet.
Es basiert auf Erfahrungen aus dem Tierschutz hinsichtlich der Entwicklung eines Sozialverhalten beim Hund. Finanzielle Interessen spielen keine Rolle.
Darüber hinaus werden bereits im Welpenalter genau die Fähigkeiten trainiert, die beim Wesenstest für gefährliche Hunde verlangt werden.

Feedback durch Doggentreffen


Die Doggentreffen vom Gehrensee geben ein deutliches Feedback hinsichtlich der Belastungs- und Gesellschaftsfähigkeit unserer Doggenzucht.




Vorsicht!

Durch Üben oder Training können nur Eigenschaften entwickelt werden, die genetisch vorhanden sind. Deutsche Doggen aus Zuchten, die über viele Jahrzehnte von fremden Hunderassen fern gehalten wurden, besitzen kaum noch gefestigte Anlagen im Sozialverhalten mit fremden Rassen. Mit solchen Doggen kann es ohne Leine unter Stress enorme Probleme geben!
Hier ein paar Beispiele für Wesenprobleme durch ein teilweise nicht vorhandenes Sozialverhalten bei Deutschen Doggen:
- eine nur schlecht beherrschbare Leinenaggression gegenüber anderen Hunden
- Aggressionsprobleme: Rüde-Rüde u. Hündin-Hündin, aggressive Reaktion auf provozierende Hunde (Terrier, Dackel),
- einen voll ausgelebten Jagdtrieb auf kleine Hunde. Hier ein aktueller Link dazu: Deutsche Dogge beißt Jack Russel tot.
- Dominanzaggression oder Angstaggression unter Belastung im Allgemeinen,
- Bissverletzungen u.a. auch bei Kindern. (Woldzegarten-Röbel)
- eine völlig überzogene Territorialaggression, die schlecht kontrollierbar ist
Obwohl die Deutsche Dogge grundsätzlich als sanfter Riese eingestuft wird, sieht das in der Beißstatitistik etwas anders aus.
Die Deutsche Dogge hält sich z.B. in Berlin mit jährlich 8-9 gemeldeten Bissen relativ konstant. Das waren 1998=9, 1999=8, 2007=8 und 2011=9 gemeldete Bisse pro Jahr.
Diese Tatsache ist zusätzlich unter den Aspekt zu betrachten, dass die meisten Deutschen Doggen gezielt aus der Öffentlichkeit fern gehalten werden.
Wesentlich erschreckendere Hinweise zu Beißvorfällen, u.a. auch mit Deutschen Doggen, findet man unter:
www.maulkorbzwang.de/Briefe/fakten/beiss_statistikmitangaben.doc
Alles das sind Tatsachen, die auf Widersprüche der Doggenzucht, der Doggenausbildung und der Doggenhaltung zum Doggenstandard hinweisen.
Eine Frage in diesem Zusammenhang ist auch, wieviel sogenannte Qualitätssiegel jeglicher Art wert sind, wenn sie selbst verliehen wurden.
Durch Vermeidung von Inzucht, einer gezielten Selektion und der Anwendung des oberen Programms konnten massive Wesensprobleme aus unserem A-Wurf im Jahre 1995 (VDH/DDC 1O2 1O6) überwunden werden.

© by Günter Dießel / Nachdruck und Übernahme, auch auszugsweise, nur mit ausdrücklicher Genehmigung des Autors.