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Hüftgelenksdysplasie

Gesunde Hüftgelenke (Baal "vom Gehrensee")

Die Hüftgelenksdysplasie (HD) ist eine erblich bedingte Erkrankung. Als hauptsächliche Ursache und auslösender Faktor wird die Lockerheit des Hüftgelenks angesehen. Gelenkkopf und Gelenkpfanne nutzen sich dadurch verstärkt ab und verursachen bei Bewegungen Schmerzen.

Die HD wird ihrer Ausprägung nach in verschiedene Ausprägungsgrade eingeteilt.

HD - Status

Eine lockere, schlecht entwickelte Hüfte läßt sich u.a. auf eine genetische Veranlagung zurückführen. Dabei wird nicht ein spezieller HD-Wert vererbt, sondern eine HD-Spanne. Es können also im günstigsten Fall Anlagen von HD-O bis HD-1 vorhanden sein. Genauso ist es möglich, daß Anlagen von HD-0 bis HD-4 durch die Gene mitgegeben werden. Die Ausprägung der HD ist innerhalb der vererbten HD-Spanne von der Fütterung (falsches Phosphor/Kalk Verhältnis im Futter), von der Belastung der Gelenke und in der Wachstumsphase von der Wirkung von Hormonen abhängig.

Auf der Basis einer röntgenologischen Untersuchung des zur Zucht vorgesehenen Tieres bestimmt man den Zustand der Hüften im Alter von etwa 18 Monaten. Der HD-Status wird dann in einem Gutachten jedem Züchter für sein Zuchttier ausgehändigt. Diese Erkenntnisse sollten Grundlage für die Deckrüdenauswahl sein.

Die Einführung einer Nachzuchtbeurteilung auf der Basis der Früherkennung von HD durch Ermittlung des Distraktionsindexes der Hüften im Welpenalter scheint aber auf Grund der HD-Belastung einzelner Zuchtlinien dringend notwendig zu sein . ( Die Vorhersagegenauigkeit im Alter von 8-10 Wochen beträgt bereits 80 %.)

Insbesondere im VDH/DDC wurden strengere Richtlinien für Züchter mit der Begründung der "Erhaltung von Demokratie und Freiheit" abgelehnt. Im Deutschen Doggenclub 1888 e.V. ist es immer noch üblich Doggen mit leichter Hüftgelenksdysplasie anzupaaren.

Quelle:Kleintier Medizin 1/99  Lockere Hüftgelenke, Instabilitätsindex 1,0,
Golden Retriever, ml, 6 Monate alt
   
 Quelle:Kleintier Medizin 4/98 Hund mit HD-Grad B und sehr lockeren Hüftgelenken
in normaler Aufnahmetechnik: keine Luxation
   
Quelle:Kleintier Medizin 4/98  Der selbe Hund in der gehaltenen Aufnahme:
Deutliche Subluxation der Femurköpfe.
Distraktionsindex 0,50 rechts und 0,47 links

Problematik :

Seit dreißig Jahren gibt es Reihenuntersuchungen und Eradikationsprogramme bei Rassehunden mit dem Ziel, die Hüftgelenksdysplasie zu bekämpfen. Dennoch ist die HD bei 40% der Rassehunde immer noch anzutreffen. Grund für den geringen Erfolg ist der fortgesetzte Einsatz dysplastischer Hunde und ihrer Nachkommenschaft auf der Basis der heutigen Beurteilungsmethoden. Es sollten nur Hunde mit normalen (A) oder fast-normalen (B) Befund zugelassen werden, alle dysplastischen Hunde sind strikt auszusondern.

Mark Flückiger: "HIP Dysplasia; what's new in Imaging?" 9th ESVOT Congress Munich 1998

Distraktionsindex:

Das Maß der Dislokation des Oberschenkelkopfes aus dem Acetabulum im Verhälnis zum Radius des Oberschenkelkopfes beschreibt der Distraktionsindex (DI). Hunde mit gesunden Hüftgelenken haben einen Distraktionsindex < 0,3 , Hunde mit einem DI > 0,4 werden als Träger einer Disposition für HD betrachtet. Liegt der DI zwischen 0,3 und 0,5 ist die Einordnung etwas problematisch. Hunde mit einem DI > 0,7 werden mit großer Wahrscheinlichkeit eine HD entwickeln.

Mark Flückiger: "HIP Dysplasia; what's new in Imaging?" 9th ESVOT Congress Munich 1998

Früherkennung:

Eine deutliche Reduktion der HD ist zwischen 1972 u. 1990 nur beim Rottweiler zu verzeichnen gewesen. Die Bestrebungen um eine niedrige HD-Rate zielen primär auf einen Zuchtausschluss betroffener Tiere. In den letzten Jahren wurden Methoden zur Früherkennung der HD entwickelt, nach denen die Erkrankung röntgenologisch bereits bei 7 Wochen alten Welpen diagnostiziert werden kann. Die vorliegende Studie stellt Vergleiche zwischen 7 verschiedenen Methoden zur Früherkennung dysplastischer Hüftgelenksveränderungen an. .....

Die Abweichungen zwischen dem mit 6-8 Wochen und mit 52 Wochen gemessenen DI (Distraktionsindex) waren bei allen Rassen minimal. Die Vergleichsuntersuchungen ergaben, dass 90% bzw. 87% der im Alter von 6-10 bzw. 16-18 Wochen gemessenen DI's >0.6 mit einer degenerativen Hüftgelenksveränderung im Sinne der HD bei der 52 Wochenabschlussuntersuchung einhergingen. Alle Tiere der Studie mit einem DI>0,7 bei der Frühuntersuchung entwickelten im ersten Lebensjahr eine HD. Insgesamt betrachtet ergab sich eine HD-Erkrankung bei DI-Durchschnittswerten von 0,56 und 0,6 (im Alter von 6-10 Wochen), von 0,61 und 0,57 (im Alter von 16-18 Wochen) und 0,56 und 0,61 (im Alter von 52 Wochen).

(aus "Früherkennung der Hüftgelenksdysplasie bei Hunden: Vergleich zwischen zwei Palpationsmethoden und fünf Röntgentechniken" Adams, Dueland, Meinen, O'Brier, Gipliano, Nordheim)


Deutsche Doggen vom Gehrensee

Erste Erfahrungen zu Früherkennung von HD.

Auf Grund des Artikels:"Vergleich zwischen zwei Palpationsmethoden und fünf Röntgentechniken" (Adams, Dueland, Meinen, O'Brier, Gipliano, Nordheim) haben wir einen kompletten Wurf Doggenwelpen (allerdings ohne Narkose) im Alter von 9 Wochen röntgen lassen.

Wir können die Ergebnisse der oben genannten Studie voll bestätigen. Es läßt sich sogar im Alter von 9 Wochen zum Teil eine Tendenz zu HD 1 ((Übergangsstadium) erkennen.

HD - Frühdiagnose, G-Wurf im Alter von 9 Wochen
(Röntgenkontrolle ohne Narkose)

Alle Röntgenbilder zeigen bereits im Alter von 9 Wochen sehr gut ausgeprägte Hüftgelenke. Die Kugel liegt gut in der Pfanne. Es gibt damit keinen Hinweis für lockere Hüften, die später zur HD führen. Probleme durch mittlere u. schwere HD können damit ausgeschlossen werden.
Nachkontrollen im Alter vom 17. - 18. Lebensmonat haben ergeben, daß sich der HD-Durchschnitt unseres G-Wurfes zwischen 0 - 1 bewegt. Die Röntgenbilder von der 9. Lebenswoche zeigen schon charakteristische Merkmale der Röntgenbilder vom 17. - 18. Lebensmonat. Fütterung u. Haltung waren so optimal, daß sich die Gelenke mit zunehmenden Alter nicht negativ entwickelten. Ein Wert von HD-0 für alle Welpen ist allerdings kaum zu erreichen. Da im VDH/DDC immer noch Doggen mit HD-2 zur Zucht zugelassen werden, wird das Thema HD wohl weiter aktuell bleiben.
Die Früherkennung von HD durch Röntgendiagnose ist für uns ein ergänzendes Mittel um unsere Zuchtlinie HD-frei zu halten.
(HD-1=Verdacht oder Übergangsstadium)
HD-Test HD-Test HD-Test HD-Test HD-Test HD-Test HD-Test HD-Test

Bild 1 zeigt trotz schlechter Lagerung eine Differenz im Norbergwinkel zwischen der linken und rechten Hüfte der Hündin. Wir wiederholten im Alter von 17,5 Monaten die Aufnahme der Hüfte. (diesmal unter Vollnarkose) Es zeigte sich, daß die linke Hüfte einen Norbergwinkel von 100° hatte. An der rechten Hüfte wurden 105° gemessen. Der Gelenkspalt und die Gelenke waren vorbildlich. Die Hündin wurde demnach mit HD-1 also Übergangsstadium eingeschätzt.

Bild 2 zeigt bereits im Alter von 9 Wochen ein absolut vorbildliches Röntgenbild der Hüfte. Die Hündin wurde im Alter von 17 Monaten ebenfalls geröngt. Sie wurde als HD-frei bewertet. (also HD-0)

Im Alter von 9 Wochen lassen sich meiner Meinung nach sehr gut die Lagerung des Gelenkkopfes in der Pfanne beurteilen. Desweiteren sind bereits Rückschlüsse auf den zu erwartenden Norbergwinkel möglich. Eine Einschätzung des Gelenkspaltes halte ich für fragwürdig.

Mit abgenutzen Gelenken haben wir noch nicht zu tun gehabt. Meines Wissens nach sind bei Doggen HD-Werte von 3 - 4 (mittel u. schwer) zumindest nicht sehr häufig. Statistiken von Zuchtvereinen sind zwar vorhanden, man muß aber immer davon ausgehen, daß einige Züchter durch Röntgenstichproben vorselektieren damit die problematischen Fälle zur Zuchtzulassung garnicht erst vorgestellt werden.

Ahrensfelde, den 1.12.2003

Dipl.Päd.G.Dießel