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Doggenzucht u.
Tierschutz
Am Beispiel
unserer Deutsche Dogge sollen nachfolgend einige Aspekte des Tierschutzes in
Bezug auf die Doggenzucht angeschnitten werden. Dieses scheint notwendig zu
sein, da nur durch ein Miteinander von Tierschutz und Zuchtvereinen mit
positiven Auswirkungen auf die Rassehundezucht zu rechnen ist. Eine feindliche
Grundhaltung und das Ignorieren von Problemen ging in der Vergangenheit
eindeutig auf Kosten der Rassehundezucht da kaum ein Welpeninteressent z.B.
versteht, weshalb es nötig sein sollte mit leichter HD zu züchten
oder einen Inzuchtgrad zu tolerieren der zu negativen Auswirkungen auf die
Gesundheit führt.
Blickt man um etwa
12 Jahre zurück, so muß man feststellen, daß wesentliche
Veränderungen in der Zucht weniger durch die Zuchtvereine, sondern
hauptsächlich durch den Einfluß des Tierschutzes möglich
wurden.
- Das Kupieren der Ohren
bei Deutschen Doggen wurde 1987 verboten. Sicher hat eine Dogge mit
stehenden Ohren ihre optischen Qualitäten, aber unnötige Schmerzen
durch das Kupieren wurde den Welpen seit dieser Zeit erspart.
- Seit dem 5.7.95 besteht ein
Verbot der Verpaarung gefleckt x gefleckt im VDH/DDC. Dadurch kann
es keine blinden und tauben weißen Doppelmerledoggen mehr geben.
(Qualzuchtverbot)
- Das geplante Verbot der Zucht mit leichter
Hüftgelenksdysplasie ist längst überfällig. Das gerade
hier Druck vom Tierschutz kommt und das Problem nicht durch die Zuchtvereine
(VDH/DDC) selbst gelöst wurde ist bemerkenswert. Normalerweise sollten die
Zuchtvereine ein ureigenes Interesse haben ihre Rasse möglichst frei von
Erbkrankheiten zu halten. Wenn ein fehlender Zahn (z.B. P4)
Zuchtausschluß bedeutet, dann dürfen im VDH Doggen mit leichter
Hüftgelenksdysplasie immer noch angepaart werden.
- Probleme durch Inzuchtdepression sind
von wesentlicher Bedeutung. Hier wurde bisher außer des Verbotes der
Inzestzucht und der Empfehlung sich auf einen Inzuchtkoeffizienten von 6,25% zu
orientieren nichts getan. Das Desinteresse an den Problemen der Inzucht kommt
u.a. dadurch zum Ausdruck, daß kaum jemand sich die Mühe macht den
Inzuchtkoeffizienten zu errechnen u. dann z.B. als Information über einen
Deckrüden zu veröffentlichen. Es ergibt sich die Frage ob auch nicht
in diesem Fall ein gesetzlich verankertes Verbot von enger Inzucht (Paarung von
Tieren im 3. u. 4. Verwandtschaftsgrad) der einzige Weg ist auch in Zukunft
noch von gesunden Rassetieren zu sprechen. Durch Outcrossing und Passerpaarung
kommt man, und das kann ich an meinen eigenen Würfen belegen, in der
Geflecktzucht wesentlich weiter als über Inzucht. Allerdings sollte nicht
unerwähnt bleiben, daß ohne eine Nachzuchtbeurteilung aller
Geschwistertiere es immer wieder möglich ist Fehler aus anderen Zuchten zu
übernehmen.
- Keine geringen Probleme sind zur Zeit durch
eine "Überproduktion" von Doggenwelpen vorhanden.
Es gib meiner Meinung nach in Deutschland mehr Welpen aus kontrollierten
Zuchten als Welpenkäufer. Der Begriff des Vermehrers ist immer noch
unbekannt. Von einem Züchter wird nicht verlangt eine eigene Zucht
aufzubauen. Die Verpaarung von angekauften Zuchttieren nur mit dem Ziel Welpen
preisgünstig in die Welt zu setzen wird immer noch als normal angesehen.
Besonders an dieser Stelle sind kaum Bemühungen erkennbar die
züchterischen Aktivitäten in vernünftige Bahnen zu lenken.
- Zu erwähnen wäre an dieser Stelle
auch der Umgang mit Doggen, die eine nichtstandardgerechte Fellfarbe tragen.
Die Ausgrenzung von Doggen mit einer "fehlerhaften"
Fellfärbung durch den DDC sind Übertreibungen des Rassestandards, den
ein Liebhaber der Rasse nicht tolerieren kann. (Diese Formulierung ist
bewußt gewählt, trifft aber nicht den Kern der Sache, da zuvor die
Frage geklärt werden sollte wo etwa 50% der Welpen bei möglichen
Wurfstärke von 10-15 Nachkommen geblieben sind. In den Zuchtbüchern
wirft eine Dogge merkwürdiger Weise durchschnittlich nur 5 Welpen.)
- Die Deutsche Dogge ist in der Lage bis zu 15
Welpen zu bekommen. Das regelmäßige Aufziehen von großen
Würfen ohne eine Zuchtsperre der Mutterhündin sollte als Qualzucht
eingestuft werden. Für Züchter, die in diesem Punkt die
Bestimmungen ihrer Zuchtvereine mißachten, sollte ein
Verbandsausschluß selbstverständlich sein. Die Einführung von
Zwingerkontrollen durch unabhängige Sachverständige scheint hier aber
unumgänglich zu sein. Dafür käme meiner Meinung nach nur der
zuständige Amtsarzt oder der regionale Tierschutzverein in Frage.
Durch solche Kontrollen läßt sich auch
rechtzeitig ein nichtartgerechtes Verhalten von Doggen erkennen. Es muß
nicht zu schweren Unfällen mit Doggen kommen, wie im Jan./Febr. 2000 bei
einer VDH/DDC Züchterin aus Mecklenburg.
Betrachtet man die Doggenzucht
genauer so wird ersichtlich, daß viele Probleme nicht rassebedingt sind,
sondern konkret vermieden werden könnten wenn wissenschaftlich an die
Rassehundezucht herangegangen wird. Eine Zuchtmethode die nicht in eine
Sackgasse führt, ist z. B. die Passerpaarung in Verbindung mit der
Passerkontrolle. Die praktizierte Championzucht führt langfristig zur
Inzuchtdepression die immer mit negativen gesundheitlichen Auswirkungen
verbunden ist. Am Ende werden vorhandene Probleme als "rassebedingt"
angesehen obwohl sie hausgemacht sind. Zum Beispiel muß eine
große Hunderasse nicht HD-belastet sein. Ein gutes Beispiel für
ein pauschales Herangehen an die Probleme der Rassehundezucht ist der Vorwurf
durch den Tierschutz, daß es durch die blaugraue Farbaufhellung beim
blauen Farbschlag zu Haarausfall und Hautentzündungen kommen kann. Das
trifft für unsere blaue Dogge absolut nicht zu. Dieser Vorwurf ist
aber ein Beleg für die Pauschalisierung von Problemen anderer Rassen. Da
der Tierschutz auf Grund langjähriger negativer Erfahrungen mit einigen
Rassehundezuchtvereinen alles andere als Vertrauen zu Züchtern hat, kommt
es schnell zu Verallgemeinerungen die in diesem Fall unberechtigt sind.
Die Deutsche Dogge ist eine
wunderbare Rasse, die in Verruf kommen könnte wenn nicht umgehend
vorhandene neue Erkenntnisse aus der Leistungszucht übernommen werden.
(siehe "Hundezucht 2000" von H.Wachtel.) Verantwortlich für die
Entwicklung der Deutschen Dogge ist die Zuchtleitung des VDH/DDC mit dem 1.
Vorsitzenden Herrn W. Nouc an der Spitze, der bereits viele Bücher zur
Dogge veröffentlicht hat, aber leider seit mindestens 15 Jahren keine
Deutsche Dogge mehr hält. Wie heißt es doch so schön? Einmal
Dogge - immer Dogge. Sicher gelten aber für Funktionäre einiger
Zuchtvereine andere Maßstäbe.
Dipl.Päd. G. Dießel
/ Dez. 99 (Freunde Deutscher Doggen Berlin)
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